Im Fußballkreis Bergstraße freute sich Anfang März jeder darüber, dass die Winterpause nach dreimonatiger Pause endete. Doch die Freude währte nur kurz. Zwei Spieltage (in Verbands- und Gruppenliga) und ein Spieltag (in den übrigen Klassen) später droht schon wieder eine ähnlich lange Wartezeit. Diesmal aufgrund des Coronavirus’. Der Ball ruht überall – nicht nur im Bergsträßer Fußballkreis. Die Vereine müssen den Vorgaben des Hessischen Fußballverbandes folgen und treffen sich aufgrund von Ansteckungsgefahr nicht einmal mehr zu gemeinsamen Trainingseinheiten. Auch diverse Betroffene von hiesigen Fußballclubs müssen sich mit der Ausnahmesituation arrangieren.

Ludwig Brenner, Trainer des Kreisoberligisten SV Fürth, trifft die Situation doppelt. Er selbst musste aufgrund der Epidemie sein Fitnessstudio schließen und hatte am vergangenen Wochenende mit seiner Elf den Ausfall des Derbys gegen den FC Fürth zu verkraften. Gesundheit steht für den ehemaligen Zweitligaprofi im Vordergrund, und er glaubt nicht, dass die Saison alsbald ihre Fortführung findet. „Ich bin überzeugt davon, dass die Runde nicht mehr zu Ende gespielt wird“, sagt Brenner und fügt an: „Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll. Wir können beispielsweise keine vier Wochen pausieren und dann fünf englische Wochen hintereinander spielen.“ Ludwig Brenners Vorschlag: Die aktuelle Saison Stand jetzt annullieren und mit der Spielzeit 2020/2021 neu durchstarten. Brenner bekennt: „Mein Herz schlägt für den Fußball, doch die Gesundheit aller geht nun einmal vor.“

Genauso sieht es Miguel da Silva, der Trainer des Ligakonkurrenten FC Starkenburgia Heppenheim. Auch er geht davon aus, dass in dieser Runde aufgrund des steigenden Termindrucks nicht mehr gekickt wird. Von der generellen Empfehlung, auch die Übungseinheiten auszusetzen, hält der Portugiese aber nicht viel. Sein Credo: Training in kleineren Grüppchen mit genügend Abstand zueinander sei möglich. Nur vorsichtig müsse man natürlich sein. Am liebsten würde der FC-Trainer nach Möglichkeit den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Doch er gibt sich keinen Illusionen hin: „Unter Umständen stehen wir mit der Coronakrise erst am Anfang.“

Marco John, Trainer des B-Ligisten SV Kirschhausen, sieht für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs schwarz. Seiner Meinung nach macht es keinen Sinn, die Runde fortzusetzen. Johns Fazit: „Falls es im April nach der Zwangspause nicht gleich weitergeht, können wir einen Haken unter die Saison 2019/2020 machen.“ Auch John sieht enorme Schwierigkeiten, nach einer Pause von nur vier Spielen die Runde mit vielen englischen Wochen doch noch zu Ende zu bringen. Eine klare Vorstellung, wie gewertet werden könnte, hat der Kirschhäuser aber parat: „Die Mannschaften, die jetzt oben stehen, sollten auch aufsteigen. Damit einhergehend müssten die Spielklassen aufgestockt werden.“ Damit, so John, wäre keiner benachteiligt. Aufgrund des Ausfalls der Europameisterschaft gibt es nach Ansicht von Alexander Krämer, Sportlicher Leiter des FV Hofheim, zwar etwas mehr Luft in der Terminplanung, die Problematik Coronavirus sei damit aber nicht aus der Welt geschafft: „Die Saison muss zwar nicht am 31. Mai beendet sein, aber ich glaube nicht, dass es schon nach ein paar Wochen weitergeht.“ Krämer befürchtet, dass insgesamt acht Wochen nicht gespielt wird. Mit Blick auf die Pandemie stellt der Hofheimer aber auch fest, dass der Fußball – sollte er denn rollen - eben nur eine schöne Nebensache ist: „Derzeit gibt es Wichtigeres als den Ball.“

Den zweiten Platz in der A-Liga nimmt derzeit Trainer Martin Göring mit seinem Verein Azzurri Lampertheim ein. Für ihn ist die Runde so gut wie gelaufen. „In vier Wochen ist die Corona-Krise sicher nicht ausgestanden. Und wenn, wäre es grenzwertig, nach der langen Zeit ohne Trainingspraxis wieder mit englischen Wochen einzusteigen.“

Eingefroren wie den Spielbetrieb hat Kreisoberligist FC Fürth auch die bereits gekauften Würstchen und Steaks für das Derby, das gegen den SV Fürth am Sonntag hätte stattfinden sollen. Die Zuversicht hat Fürths Sportlicher Leiter Alexander Langguth aber nicht verloren. Würste und Steaks gäbe es dann eben zu Saisonauftakt im Sommer. Auch das eingekaufte Bier dürfte bis dahin noch genießbar sein.

Quelle Echo online